Neuigkeiten

Oktober 2021

Käthchen. Ritterin von Heilbronn
inspiriert von Heinrich von Kleist

Oldenburgisches Staatstheater

Seit sie sich das erste Mal begegnet sind, verfolgt Käthchen den Ritter Graf vom Strahl auf Schritt und Tritt. Keiner kann sich diesen Umstand erklären, und ihr Vater Friedeborn ist so verzweifelt, dass er den Grafen der Schwarzen Magie anklagt. Er soll Käthchen hinterlistig verführt und hörig gemacht haben. Doch sie ist weder verführt noch hörig – sie hat einen Plan: Sie möchte Ritterin werden und erhofft sich vom Grafen die nötige Ausbildung. Dass dieser Käthchens Anhänglichkeit missversteht und den Traum, in dem sich beide einst auf magische Weise trafen, als Offenbarung gegenseitiger Liebe deutet, sind nur zwei von vielen Verwirrungen, die den Kleist’schen Klassiker in der Interpretation von Milena Mönch und ihrem Team neu auferstehen lassen.

Die Welt bleibt dabei bunt und wild wie im Original: Brennende Burgen und erbitterte Kämpfe, verdeckte Verbrechen und perfide Intrigen, weissagende Träume und rettende Engel.


Premiere: 30.10.2021, Exerzierhalle

November 2021

GRRRLS
von Uta Bierbaum

Burghofbühne Dinslaken

„Maybe it’s time for a little Ausflug“ schlägt Oma Luzy ihrer Enkelin vor. Es ist Fritzis 11. Geburtstag und eigentlich hätte sie ja lieber mit Freund*innen gefeiert, statt mit ihrer Oma. Aber Fritzi hat keine Freund*innen. Sie glaubt das liegt daran, dass sie im Gegensatz zu ihrer Mutter und ihrer Oma nicht besonders schön ist. Beide haben die volle Ladung Schönheit abbekommen und da war dann für Fritzi nichts mehr übrig. Fritzis Mutter ist von Beruf sogar Model. Also so ein richtiges Top-Model! Deshalb ist sie ständig unterwegs und Luzy passt dann auf Fritzi auf. Aber Luzy hat Fritzis Geburtstag vergessen und ihre Mutter befindet sich buchstäblich in einer anderen Zeitzone. Also begeben sich Enkelin und Oma gemeinsam auf einen Geburtstags-Roadtrip, der es in sich hat. Auf einer Autobahnraststätte begegnen sie Nowak, einer Feministin, wie sie selbst von sich sagt. Gemeinsam brechen sie Regeln und Gesetze, rechnen mit Schönheitsnormen ab und lernen sich Gehör zu verschaffen – wenn es sein muss auch mit Schreien.

Uta Bierbaum hat mit „GRRRLS“ eine einfühlsame Coming-of-Age-Story über drei Anti-Heldinnen geschrieben, die ihren Dialog der Generationen auf der Überholspur führen. Zusammen folgen die drei Protagonistinnen ihrer lebensechten Sehnsucht nach sich selbst, jenseits von Normen und dem ewigen Gefallen-müssen.

Die Jury erkennt den Kathrin-Türks-Preis 2020 dem Stück „GRRRLS“ von Uta Bierbaum zu.

Premiere: Samstag, 06.11.2021, 18Uhr

April 2022

Ode
von Thomas Melle

Saarländisches Staatstheater

Friedrich Schiller schreibt: »Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit, und von der Nothwendigkeit der Geister, nicht von der Nothdurft der Materie will sie ihre Vorschrift empfangen.« In Deutschland ist sie inzwischen ein im Grundgesetz verankertes Grundrecht. Denn ja, die Kunst wird angegriffen und arglistig beäugt als politisches Vehikel linksversiffter Meinungsdiktatoren, als staatszersetzend und subversiv, befremdlich und entartet, als abgehoben, weltfremd und elitär, und außerdem als potentiell gefährlich. Draußen patrouilliert längst die »Wehr«, ein Zusammenschluss »verantwortungsvoller« Bürgerinnen und Bürger, die immer lauter Recht und Ordnung fordern: 

Verständlichkeit und Brauchtum statt Fremdheit und Ambivalenz! Und endlich mal wieder schöne Kostüme!

In Thomas Melles Stück »Ode« stellt sich heraus, dass die hitzige Debatte über hochgestellte Omnibusse auf dem Platz vor der Dresdener Frauenkirche, über das »Denkmal der Schande im Herzen unserer Hauptstadt«, über das, was Kunst sein darf und soll, längst kein Nebenschauplatz mehr ist, sondern Hauptaustragungsort eines hysterisch geführten Kulturkampfes. Die Lager im hitzigen Diskurs über Identität, »kulturelle Aneignung« und das, was noch erlaubt ist im immer dichter werdenden Dschungel der political correctness, driften ständig weiter auseinander: hier der Neo-Biedermeier einer nationalen Rechten – dort der ideologische Moralismus einer neuen Linken. Melle ist ein Spiegel unserer hochnervösen, dauererregten Gesellschaft gelungen, ein böses Sittengemälde unserer Zeit, Dystopie wie Utopie, in der unsere generelle Haltung zur Kunst letztendlich nur Eines offenbart: die zu unseren demokratischen Grundwerten nämlich, und letztendlich auch unsere Haltung zu uns selbst. »Ode« ist eine Ode an die Kunstfreiheit und insofern auch an die Freiheit als solche: »Wir müssen das Leben als Kunst ansehen; die Kunst aber nie, nie, nie als das Leben. Nur so hat Ethik einen Sinn.«

Premiere: 01.04.2022, 20Uhr, Sparte 4